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Pressemitteilung 29. Oktober 2013

29.10.2013
„Als Frau ärgere ich mich einfach zu oft über die Kirche“ - Katholischer Medienpreis 2013: Preisträgerin Lara Katharina Fritzsche unterstützt das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung.
Die für ihren Beitrag „Das Leben nach dem Tod in Utøya“, erschienen im ZEITmagazin am 12. Juli 2012, mit dem Katholischen Medienpreis 2013 ausgezeichnete Journalistin und Buchautorin Lara Katharina Fritzsche spendet das Preisgeld an das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung. Der in den zwei Kategorien „Printmedien“ und „Elektronische Medien“ vergebene und mit jeweils 5.000 Euro dotierte Medienpreis wurde gestern Abend bei einem Festakt in Bonn überreicht.
„Ich finde, dass Frauen selbst über ihren Körper entscheiden können sollten – mit allen Konsequenzen. Deswegen möchte ich das Preisgeld dem Bündnis spenden, das sich genau dafür einsetzt, nämlich der sexuellen Selbstbestimmung von Frauen“, sagte Lara Fritzsche zu ihrer Entscheidung. „Als Frau ärgere ich mich einfach zu oft über die katholische Kirche“, so die ausgezeichnete Redakteurin des Magazins der Süddeutschen Zeitung weiter.
Das im August 2013 in Berlin gegründete Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ist ein Zusammenschluss von Beratungseinrichtungen, Institutionen und Netzwerken, die unter anderem eine umfassende Sexualaufklärung an den Schulen, die rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“ sowie eine angemessene soziale und ökonomische Unterstützung für alle Menschen und Paare, die sich für ein Kind entscheiden, unabhängig von ihrer Herkunft, sexuellen Orientierung oder sozialen, ökonomischen und gesundheitlichen Situation, fordern. Die Erklärung des Bündnisses wird bereits von Hunderten Personen, darunter zahlreiche Persönlichkeiten aus der Gesellschaft und der Politik, unterstützt.
Unter anderem die Vorfälle um die Abweisung mutmaßlicher Vergewaltigungsopfer durch Kliniken in Trägerschaft der katholischen Kirche am Anfang des Jahres hätten Lara Fritzsche „sehr wütend“ gemacht. „Ich fand es zwar beeindruckend, dass die Bischofskonferenz auf die Vorfälle reagiert und zumindest für vergewaltigte Frauen die Verhütungspille ‚Pille danach‘ in katholischen Kliniken zugänglich gemacht hat. Aber dennoch: Das ist nur für Katholiken ein großer Schritt, mir ist dieser Schritt aber noch viel zu klein.“
Sybill Schulz vom Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung zeigte sich hocherfreut über die mutige Entscheidung. „Wir sind überglücklich und dankbar, solch eine großartige Unterstützung unserer Ziele zu erfahren“, erklärte Schulz, Geschäftsführerin des Berliner Familienplanungszentrums – BALANCE, am Dienstagvormittag. „Lara Fritzsche hat eine wichtige Botschaft gestern genau dorthin getragen, wo sie hingehört: Vor die Vertreter der katholischen Kirche. Das hätten wir als Bündnis so kaum geschafft. Und das Preisgeld hilft uns sehr, die wichtige Arbeit im Bündnis fortzuführen.“
Aufgrund der religiösen Dogmatik und einer durch kirchliche und konservative Medien massiv verstärkten gesellschaftlichen Stimmungsmache werde das sexuelle Selbstbestimmungsrecht von Mädchen, Frauen und homosexuellen Menschen bis heute immer wieder und weltweit bestritten, betonte Sybill Schulz.
„Der in den letzten Jahren deutlich gewachsene Zulauf zum von christlichen Vereinen organisierten Kreuzmarsch durch die Mitte Berlins, der unter anderem ein totales und europaweites Verbot des Rechts zur Beendigung einer ungewollten Schwangerschaft fordert, illustriert die Popularität fundamentalistischer und reaktionärer Ideen. Unter Missbrauch des Begriffs Lebensschutz soll auch in Deutschland das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in entscheidenden Bereichen gesetzlich eingeschränkt werden. Dagegen wehren wir uns.“
Dabei hat die Entscheidung von Lara Katharina Fritzsche ein bedeutendes Zeichen gesetzt, so Sybill Schulz. Während Schulz wegen ihrer Arbeit mit Drohungen, Diffamierungen und Strafanzeigen älterer Männer aus den Reihen der Kirche überzogen werde, gebe ihr eine Unterstützung wie die der mit dem katholischen Medienpreis ausgezeichneten Journalistin „die große Zuversicht, dass es uns gemeinsam gelingt, allen fanatischen Kräften unmissverständlich den klaren Grundsatz zu verdeutlichen: Mein Körper, meine Verantwortung, meine Entscheidung.“

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