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Salongespräch: „Das Schweigen der Paare – Kommunikation in Partnerschaften“

16.05.2019
Paare kommen häufig in die Paarberatung mit der Aussage: „Wir haben Kommunikationsprobleme.“ Sie suchen sich professionelle Unterstützung, um besser miteinander reden zu können. Für uns war das der Anlass, die Kommunikation in Partnerschaften in den Fokus des Salonabends am 8.5.2019 zu stellen.
Das Salongespräch „Das Schweigen der Paare – Kommunikation in Partnerschaften“ wurde von der psychologischen Psychotherapeutin Berit Brockhausen gestaltet, die seit mehr als 30 Jahren mit Paaren arbeitet, Dozentin für Paartherapiefortbildungen ist und mehrere Fachbücher sowie Ratgeber für Paare veröffentlicht hat.

Mit diesem Thema wollten wir nicht nur professionelle Personen, wie Berater_innen oder Therapeut_innen ansprechen, sondern alle Personen, die selbst in Beziehungen sind oder waren und sich für das Thema Kommunikation in Partnerschaften interessieren.

Zu Beginn des Abends stellte Frau Brockhausen das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun vor. Demnach enthält jede Information vier Aspekte: den Sachinhalt, die Selbstoffenbarung, den Appell und den Beziehungsaspekt. Dabei transportiert Sprache Informationen, führt aber auch zu Missverständnissen, so z.B. wenn wir nur mit dem „Beziehungsohr“ hören. In Partnerschaften wird Sprache genutzt, um Gemeinsamkeit herzustellen, sowie auch miteinander kommuniziert, um Lösungen zu finden, wenn es um die Vereinbarkeit von unterschiedlichen Bedürfnissen geht.

Kommunikationstrainings können Paaren helfen, besser miteinander zu kommunizieren. Es ist erwiesen, dass verabredete Kommunikationsregeln dabei gut funktionieren, wie z.B. Ich-Botschaften, das Äußern von Gefühlen und Bedürfnissen oder aufnehmendes Zuhören.

Paarprobleme werden häufig mit Kommunikationsproblemen gleichgesetzt. Aber selbst wenn Paare sich an Kommunikationsregeln halten oder diese verabreden, führt dies nicht automatisch zur Verbesserung der Paarsituation. Die Erklärung von Frau Brockhausen heißt, „Weil wir es manchmal nicht wollen.“ – jede Kommunikationsregel muss auch gewollt sein.

So entscheiden wir uns, Vorwürfe zu machen, statt unsere wirklichen Bedürfnisse zu äußern. Vorwürfe sind oft einfacher zu formulieren, als über unsere Gefühlsebene zu sprechen. Äußere ich meine Bedürfnisse stattdessen ganz konkret und direkt, muss ich auch mit der Unklarheit leben, wie die andere Person darauf reagieren wird und erlebe die Unsicherheit, zu welchen Auswirkungen das in meiner Beziehung führen könnte. Zum Beispiel kann der Satz „Ich möchte in unserer Sexualität etwas neues ausprobieren.“ Spannung in die Beziehung bringen, die schwierig zu ertragen ist.  Deshalb bleibt es beim Vorwurf: „Du denkst nur an dich.“

Der Moment, in dem ein Konflikt mit dem_der Partner_in vorhersehbar ist, führt dazu, dass wir unsere eigentlichen Bedürfnisse nicht äußern. Wir gehen davon aus, dass die andere Person wissen müsste, was wir wollen, wenn sie uns nur richtig liebt. Ein großes Missverständnis in Partnerschaften. Viele Menschen gehen davon aus, dass sie nur dann „richtig verstanden“ werden, wenn die andere Person das tut, was er bzw. sie möchte.

Partnerschaft bedeutet jedoch auch, zu akzeptieren, dass die andere Person andere Bedürfnisse und Vorstellungen hat. Häufig ist es so, dass beide gut voneinander wissen, was die andere Person möchte, dies aber nicht akzeptieren können. Manchmal geht es auch darum, „schmerzhafte“ Anteile in der Beziehung anzuerkennen, so z.B. dass mein Lieblingsmensch sich nicht für all meine Themen interessiert und sich dann zurückzieht, auch wenn ich mir selbst wünsche, dass er mehr Interesse zeigt.

Hier kommt es häufig zu den klassischen Streitsituationen mit jeder Menge Vorwürfen und Eskalation. Nach Frau Brockhausen ist es besonders wichtig, in Beziehungen zu lernen, uns selbst zu beruhigen. Die andere Person ist nicht dazu da, mich zu beruhigen. Darüber hinaus sollten wir auch für uns selbst Formulierungen finden, wie wir uns klar ausdrücken können, ohne den Anderen z.B. mit weiteren Vorwürfen zu verletzen.

Der Salonabend war sehr anregend und inspirierend. Auch durch die große Anzahl von Teilnehmenden mit ihren aktivem Austausch. Vielen Dank allen, die dabei waren!

Psychologisches Fachteam im Familienplanungszentrum BALANCE

Wir bieten Einzel-, Paar- und Familienberatung rund um die Themen Sexualität, Partnerschaft und Lebensgestaltung. Weitere Informationen zu den Angeboten des psychologischen Fachteams im Familienplanungszentrum BALANCE können Sie auf unserer Website nachlesen: http://www.fpz-berlin.de/Psychologische-Beratungsangebote-884771.html

Quellen:
Schulz von Thun, Friedemann 1993: Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen: Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Rowohlt Verlag
Foto: Berit Brockhausen beim Salongespräch am 8.5.2019 im Familienplanungszentrum BALANCE.