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Salongespräch „Psychische Gewalt in Paarbeziehungen im Kontext von Beratung und Therapie" am 10.10.2018

10.10.2018
In Einzel- und Paarberatungen sind wir häufig mit dem Thema Gewalt in Paarbeziehungen konfrontiert.
Betroffene berichten von physischer sowie psychischer Gewaltausübung durch den_die Partner_in. Auffällig ist, dass sich manche Paare ihrer Gewaltdynamik wenig bewusst sind und scheinbar ganz alltäglich stattfindende Gewalt als für sie „normale“ Konflikt- und Streitkultur erleben. Dabei scheint die Abgrenzung schwierig: Was ist die Streitdynamik eines Paares und wann steht die Machtausübung einer Person über die andere z.B. durch Erniedrigung und somit Gewalt im Vordergrund?
Dr. phil. Dipl. Psychologin Silke Schwarz von der Fachstelle Traumanetz Berlin (S.I.G.N.A.L. e. V.) führte mit ihrem Impulsreferat ins Thema ein. Sie zeigte auf, welche Facetten psychischer Gewalt es gibt und welche Auswirkungen die Ausübung von Gewalt auf das psychische Erleben betroffener Personen haben kann.

Im Vergleich zu körperlicher Gewalt ist psychische Gewalt schwerer zu erkennen, da sie nicht unmittelbar sichtbare Spuren hinterlässt. Beschimpfungen, Bedrohungen, die soziale Isolation einer Person, Nötigungen, Abwertungen, Angstmachen und Diffamierungen sind Beispiele, wie psychische Gewalt ausgeübt wird.

Psychische Gewalt greift stark in die Persönlichkeit ein und kann zu Selbstzweifeln, Schuldgefühlen, vermindertem Selbstwert und Schamgefühlen führen. Auch psychosomatische Probleme wie Schlafstörungen, Angstattacken oder Depression können die Folge sein. Die Gewalterfahrungen haben auch psychosoziale Folgen: So ziehen sich Personen aus ihrem sozialen Leben zurück, erleben Einsamkeit und Isolation.
Friederike Masz,  Heilpraktikerin, Traumatherapie Berlin, stellte ihr Impulsreferat unter den Satz: „Wer ein Trauma nicht realisiert, ist gezwungen es zu wiederholen oder zu reinszenieren (Pierre Janet, 1902).“ Sie gab einen Einblick in ihre Arbeit mit traumatisierten Paaren. Anhand des Trauma-Haus-Konzepts von Katharina Klees zeigte sie die Dynamik von Paaren auf, die selbst traumatisiert sind und in ihrer Partnerschaft die Traumatisierung reinszenieren. Ausgangspunkt des Konzeptes ist, dass Menschen, die in ihrer Kindheit traumatische Erfahrungen mit wichtigen Bezugspersonen machen mussten, häufiger Beziehungswunden in sich tragen, die zu vielfältigen emotionalen Problemen führen: So wirken die Wunden der Kindheit auf die Paarbeziehung in Form von Streit, Dramen und sexuellen Konflikten.

Entsprechend des Ego-State-Ansatzes von Richard Schwarz übernehmen bestimmte innere Anteile in schwierigen Situationen die Gesamtkontrolle über das Verhalten und die Wahrnehmung der Person. Dabei erlebt die Person sich wie in früheren traumatisierenden Situationen, in denen sie selbst ein hilfloses Kind war. Andere Anteile haben sich mit dem Menschen identifiziert, der die Gewalt ausübte (Identifikation mit dem Angreifer). Hat dieser Anteil die momentane Kontrolle, agiert er wie dieser, gewalttätig und übergriffig.

Frau Masz schilderte ausführlich die Arbeit mit Paaren, deren Anteile zu sehr gewalttätigen Situationen führen, obwohl diese Menschen an sich friedlich und liebevoll sind. Anhand einer Krisenskizze, die eine konkrete eskalierende Situation beschreibt, wird mit dem Paar das eigentliche Geschehen und das innere Erleben aufgezeichnet. Dabei erkennen die Partner_innen ihre inneren Anteile und welche Rolle sie ihrem Gegenüber dabei geben. Daraus ergeben sich typische, tief empfundene Überzeugungen, die sich in Sätzen wie „Alles was du machst ist falsch“ oder „Du hast nichts zu sagen“ ausdrücken. Durch die Arbeit mit diesen Sätzen und das Einfühlen in die Situation des Gegenübers, wird es längerfristig möglich, eigene Anteile wahrzunehmen und neue Erfahrungen in den „kritischen“ Situationen zu machen: Hier ergibt sich dann die Möglichkeit für die Person, das eigene Trauma zu heilen.
Bei der anschließenden Diskussion mit den Referentinnen unter Einbeziehung des Publikums wurde die Methode ausführlich diskutiert. Ebenso stand im Fokus, wie Therapeut_innen bzw. Berater_innen selbst mit wahrgenommener Gewalt bei Paaren umgehen können. Welche therapeutische Haltung braucht es, um gut mit Paaren arbeiten zu können, deren Beziehung von Gewalt geprägt ist? Wo liegen die Grenzen in der Beratung und wie können Täter-Opfer-Dynamiken durchbrochen werden?